Der Tag, an dem ihnen der Führerschein ausgehändigt wird, bedeutet für viele junge Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Autofahren heißt, mehr Spielraum im Alltag zu haben: auf dem Weg zur Arbeit, zur Ausbildung oder in der Freizeit. Aber ab dem Zeitpunkt des bestandenen Führerscheins müssen diese jungen Leute praktische Fahrpraxis sammeln.
Besonders in den ersten Jahren nach der Prüfung zeigt sich, wie wichtig Übung und Aufmerksamkeit im Straßenverkehr sind. Viele Verkehrssituationen lassen sich während der Fahrausbildung nur unzureichend simulieren. Im ganz normalen Verkehr lernen die Fahranfänger erst, die vielschichtigen Verkehrslagen richtig zu beurteilen und sicher darauf zu reagieren.
Warum Fahrpraxis nach der Prüfung nötig ist
Statistische Auswertungen der Verkehrsbehörden zeigen regelmäßig, dass junge Fahrer mehr als alle anderen Verkehrsteilnehmer in Unfälle verwickelt werden. Die Ursachen liegen oft in mangelnder Erfahrung. Fahren lernen ist ein Lernprozess
Der neue Fahrer hat mit vielen Eindrücken gleichzeitig zu tun. Er muss die Verkehrszeichen, die Geschwindigkeit des eigenen Fahrzeugs, die Abstände zu anderen Fahrzeugen und deren Verhalten in den Blick nehmen. Alle diese Dinge zusammen sind für den neuen Fahrer sehr viel. Dazu kommen die Umstände, unter denen er fährt. Bei starkem Verkehr, bei schlechtem Wetter oder auf Straßen von ungewohnter Führung wird er unsicher. In der Fahrschule wird er solche Dinge üben, aber den richtigen Umgang mit ihnen lernt er erst durch die Praxis.
Das ist der Grund, warum in vielen Staaten der Erde auf die Fahrprüfung weitere Ausbildungsstufen folgen. Man möchte den Fahranfänger auf diese Weise weiter begleiten und ihm unter möglichst vielen verschiedenen praktischen Bedingungen das Fahren lernen.
Lernprozesse im Straßenverkehr
Sicheres Fahren im Straßenverkehr besteht aus vielen Fähigkeiten. Das sachgemäße Beherrschen des Fahrzeuges gehört dazu, daneben die Aufmerksamkeit, das richtige Einschätzen der Dinge, vorausschauendes Verhalten und das richtige Maß des Risikoeingehens. Das wichtigste aber ist das sogenannte defensive Fahren, möglichst viele Gefahren und Schwierigkeiten von vornherein ahnen und für sie vorbereitet sein. Es werden mehr Abstände zwischen sich und dem Vordermann eingehalten, die eigene Geschwindigkeit wird den Straßen und dem Verkehr angepasst, das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer wird viel besser beobachtet. Ein wichtiges Thema ist Selbstkontrolle. Besonders junge Fahrer schätzen Geschwindigkeit und eigene Fähigkeiten oft zu optimistisch ein. Mit der Zeit lernt man ein richtiges Gefühl für die Gefahren im Verkehr zu entwickeln und die richtigen Entscheidungen gelassen zu treffen.
Auf jeden Fall zur Ausbildung gehören Weiterbildungen für Fahranfänger.
Weiterbildung für Fahranfänger
In der Schweiz ist eine nach der Fahrprüfung stattfindende Weiterbildung in das Ausbildungssystem eingebaut. Der sogenannte wab kurs ist für viele Fahranfänger ein Bestandteil der Führerscheinausbildung.
In diesen Kursen werden praktische Situationen trainiert, wie sie im Straßenverkehr immer wieder vorkommen können. Bremsen, Rutschgefahr, Verhalten in verschiedenen Verkehrslagen, Gefahreneinschätzung sind einige Beispiele. Derartige Trainings finden meist auf speziellen Übungsanlagen statt, auf denen die Teilnehmer die Gelegenheit haben, Situationen auszuprobieren, die im normalen Straßenverkehr schwer zu üben wären. Ziel ist es, ein besseres Gefühl für Fahrzeugbeherrschung und Gefahrenvermeidung zu entwickeln. Neben praktischen Übungen sind auch theoretische Inhalte von Bedeutung. Es wird vermittelt, wie wichtig die Aufmerksamkeit im Verkehr ist, wie müde oder abgelenkt zu sein sich auswirken kann und wie bedeutsam ein verantwortungsbewusster Fahrstil sein sollte.
Typische Schwierigkeiten, mit denen die jungen Fahrer konfrontiert sind
Im Alltag sind die Fahranfänger häufig mit Verkehrssituationen konfrontiert, die eine rasche Entscheidung erfordern. Dichtes Verkehren in der Stadt, Fahrten auf der Autobahn und übersichtliche Kreuzungen bereiten ihnen anfangs oft noch Schwierigkeiten. Aber auch der Umgang mit den modernen Einrichtungen in den Fahrzeugen selbst verlangt ihren Teil. Immer mehr Autos sind mit den verschiedensten Technikarten ausgerüstet, die dem Fahrer zwar helfen, ihn aber nicht ersetzen. Zum Beispiel die Spurhalteassistenten oder die Notbremsautomatik. Wenn hier etwas nicht stimmt, kann die volle Verantwortung nicht auf den technischen Helfer abgeschoben werden. Auch die gesellschaftlichen Probleme kommen hinzu. Mit den Freunden im Auto, unter dem Einfluss des Gruppenzwangs beim Fahren mit anderen zusammen werden gute Vorsätze oft in Frage gestellt. Statistiken zeigen, dass Ablenkung im Fahrzeug eine der häufigsten Ursachen für kritische Verkehrssituationen ist.
Verantwortung im Verkehr entwickeln
Mit der zunehmenden Erfahrung und Routine entwickeln die Fahrer auch ein besseres Gefühl für verschiedene Verkehrssituationen. Sie können Entfernungen besser einschätzen und werden Gelegenheiten und Gefahren früher wahrnehmen und ihr Verhalten danach einrichten. Vorausschauend zu fahren ist nicht nur für den eigenen Schutz wichtig, auch alle anderen Verkehrsteilnehmer, Fußgänger und Radfahrer sowie die anderen Autofahrer, sind auf vorausschauendes Fahren angewiesen. Die Verknüpfung der Fahrschule mit dem praktischen Fahren und mit der Weiterbildung wird dazu führen, daß wir ständig besser werdende Fahrer ausbilden. Wer diese Probezeit richtig nutzt, wird Fertigkeiten entwickeln, die ihm sein ganzes späteres Fahrleben hindurch helfen werden.

